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Wandern mit Kindern

 

Du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern. Die Bäume und Steine werden dich Dinge lehren, die dir kein Mensch sagen wird."   

Bernhard von Claivaux

Mit Kindern im Urlaub zu wandern kann schön sein, wenn man die Kleinen nicht überfordert. Deshalb: Wählen Sie keine zu langen Touren aus, um Zeit für Pausen und Entdeckungen zu haben. Geben Sie den Kindern Zeit, sich mit einem kleinen Spiel während der Wanderung zu befassen. Zeigen Sie Verständnis bei Müdigkeit und trösten Sie die Kinder bei einer kleinen Verletzung. Das Erlebnis soll im Vordergrund stehen, nicht die Kilometerzahl. Natürlich kann es gut sein, einen Gipfel erreicht zu haben, deshalb lieber früher losgehen um nicht unter Zeitdruck zu kommen. Kinder, die im Alltag oft unter Medieneinfluss stehen, brauchen unter Umständen eine „Umgewöhnungsphase". Bleiben Sie ruhig, wenn ein Kind nicht sofort von einem Naturschauspiel begeistert ist und sich nicht überschwänglich über einen Frosch im Teich freut. Gehen Sie immer wieder mal auf die Bedürfnisse des Kindes ein, auch wenn Sie einen anderen Plan im Kopf haben, denn: „Ein guter Plan ist der, der entsprechend der Situation geändert werden kann". Das gibt Ihnen mehr Lockerheit und Flexibilität und erspart Enttäuschung und Ärger. Wenn man Glück hat, findet man zu seinem Urlaubsort Literatur mit Vorschlägen speziell für den Urlaub mit Kindern. Diese Reiseführer geben neben Wandertipps auch meist Hinweise zu Tiergehegen, Schwimmbädern, Burgbesichtigungen, Museen, Erlebnisparks. Sie sollten auch nicht jeden Tag eine Wanderung ansetzen. Planen Sie den Urlaub möglichst gemeinsam mit den Kindern. Notieren Sie sich Wünsche der Kinder schon zuhause, um Vorfreude entstehen zu lassen.

Lassen Sie mich ein wenig von eigenen Wandererfahrungen schwärmen:

Als Miteinander von Mensch und Natur ist Wandern eine der elementarsten Formen des Erlebens: aus eigener Kraft, mit offenen Sinnen, als Teil der Natur und Achtung vor ihr, sich in Wäldern und Tälern und auf Bergen zu spüren und auf Gipfeln zur Ruhe zu kommen. Jeder, der wandert oder längere Spaziergänge macht, kennt das Gefühl beseelt zu sein, beschenkt zu werden von einer Macht, die uns umgibt und einbindet und uns ein Gefühl der Zugehörigkeit zu "einem großen Ganzen" gibt. Im Wandern finden wir wieder Ruhe, Stille und innere Einkehr. Bevorzugt  beim Wandern sind Wege, die durch möglichst naturnahe Landschaften führen, mit der Möglichkeit, abwechslungsreiche Landschaftsbilder zu sehen. Die Harmonie natürlicher Landschaften schmeicheln dem Auge und der Seele. Der Blick auf sanfte Bergsilhouetten oder waldumsäumte Wiesentäler hat einen ungeahnt befreienden Effekt. Ideal ist, wenn ein Weg weiches Auftreten auf naturgewachsenem Boden (Erde, Gras, Laub) ermöglicht, wenn ein kurvenreicher Pfad ständig neue Perspektiven eröffnet und sich Möglichkeiten zur Rast und Einkehr bieten. Das Gehen in Laub und Moos, die frische Kühle von Quellen und Bächen, der Wind, der uns ins Gesicht bläst, sind die "wahren Sensationen" im Urlaub. Im Gegensatz zu anderen Umweltreizen empfinden wir Naturschauspiele als nicht stressig, sondern nehmen sie mit anstrengungsloser Aufmerksamkeit wahr. Wenn alle unsere Sinne angesprochen werden, sind wir in "unserem Element" und fühlen uns geborgen und wohl.

Stille und Abgeschiedenheit sind zu einem Luxus geworden, der allerdings "erschwinglich" ist. Dabei muss  es nicht die totale Stille sein, es geht mehr um die Unaufdringlichkeit einer  natürlichen Lautkulisse wie Rauschen, Plätschern, Gurgeln, Zwitschern und die eigenen Atemgeräusche. Mit der äußeren Stille kehren auch innere Ruhe und eine Verlangsamung ein. Hektik und Stress, die wir in hohem Maße "verkörpert" haben, werden ausgebremst und wir brauchen immer weniger künstliche "Kicks". Der Mensch ist auch ein aktives Wesen und Wohlbefinden stellt sich auf Dauer nur ein, wenn alle Sinne und Fähigkeiten angesprochen werden. Das erfordert den Wechsel von Aktivität und Passivität, von Anstrengung und Entspannung, von innerlichen und äußerlichen Erlebnissen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude in Ihrem Urlaub!

Übrigens: wenn Sie in den Ferien zuhause bleiben ist es selbstverständlich, dass auch Tagestouren die beschriebenen Erlebnisse ermöglichen, oft ist es nur ein Katzensprung in den nächsten Wald.

Außerdem möchte ich Sie noch auf den Artikel: „Urlaubsfahrt mit Kindern" verweisen.

Ingo Schuster